Ein Jahr im Kreis
Ich spiele Fußball.
In der letzten Liga.
Und schreibe darüber.
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Die lange Karriere des Miroslav Klose in der Nationalmannschaft.
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120minuten
Lange Fußballtexte wechselnder Autoren. Von und mit mir.
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Donnerstag, 13. Dezember 2012

Allesfahrer - Ein Jahr im Kreis #2


Ich komme vom Dorf. Aus den neuen Bundesländern. Das ist eine schöne Sache, wenn man Kind ist. Tiere, Natur, frische Luft uswusf. das ganze Programm (damit ist das Dorf gemeint). Wenn man älter wird, ändert sich die Gemengelage und statt Wiesen, Wäldern und sauberem Wasser hätte man lieber einen Job/Studienplatz und ein differenzierteres kulturelles Programm - also mehr Möglichkeiten sich mal ordentlich zu besaufen. An Zweiterem ist mein Interesse nun nicht (mehr) so groß. Dennoch fiel mir die Entscheidung, was denn nun nach der Schule zu tun sei, relativ leicht: Weg vom Dorf, in die Stadt, oder gleich in den Westen, bloß nicht hier klebenbleiben.

So denken viele. Und das ist ein großes Problem für die Sportvereine. Es gibt Jugendteams und Vereinsarbeit in allen Altersklassen mit Meckereltern, mehr oder weniger eifrigen Trainern und vollem Spielbetrieb in einer Liga. Nur haben die Vereine meist wenig davon, wenn die Jugendspieler anstelle des Männerbereichs in die alten Bundesländer vorstoßen. Nach dem Schulabschluss sieht man zu, dass man Land gewinnt. Und ein kleiner Verein vom Dorf betreibt schon gute Jugendarbeit, wenn jede Saison ein 18-jähriger in den Männerbereich aufrückt. Demografiewandel, Landflucht, Strukturschwäche - um einfach noch ein paar Stichwörter zu nennen.

Aber es gibt eine Sorte von Spielern, die dem entgegenwirken und damit dafür sorgen, dass allerorten die Dorf-Opas Wochenende um Wochenende zum Trinken und Meckern ausrücken dürfen: Die Pendler. Der gemeine Pendler arbeitet/studiert/lernt auswärts und kehrt jedes Wochenende (oder auch jedes zweite, dritte, vierte) an den Ort seiner fußballerischen Menschwerdung zurück, um mit den immer gleichen Gesellen gegen den Ball zu treten. Die Liebe zum Spiel und die Verbundenheit zu den alten Weggefährten führt sie immer wieder zusammen auf den Sportplätzen der untersten Ligen, um dort beim bedeutungslosen Kräftemessen gegeneinander anzutreten. Meistens spielen Familie, Frauengeschichten und andere belanglose soziale Verpflichtungen dabei auch noch eine Rolle.

Am meisten Spaß macht es doch mit alten Bekannten zusammenzuspielen, auf dem Platz, auf dem du schon in der C-Jugend gestanden hast. Und unter deinen Mitspielern finden sich Fußballer, von denen du nicht gedacht hättest, dass du mal zusammen mit ihnen spielst - ehemalige BezirksligaWeltklassespieler, die es nicht lassen können oder Trainer aus deiner Jugend oder Onkel, Brüder, Väter, Schulkameraden. Das Gleiche gilt für die Gegenspieler. Zu denen gibt es immer eine Vorgeschichte - man weiß um Stärken und Schwächen und kann sich auf sie einstellen. Man kennt sich eben. Ein in sich abgeschlossener Mikrokosmos.

Ich bin auch einer von denen, die am Wochenende zurückkehren. Ich habe zwar nicht den weitesten Anfahrtsweg, aber über 100 km (bei mir) sind schon ein ordentliches Stück, wenn man bedenkt, dass es um Grottenkicks in der letzten Liga geht. 1,5 Stunden hin, 1,5 Stunden zurück um gegen irgendeine andere 2. Mannschaft anzutreten, in der es die jüngeren Spieler ebenso machen. Vielleicht sollten sich die Teams vor den Ansetzungen einfach an einen Tisch setzen und aushandeln, wo es entfernungstechnisch am günstigsten wäre zu spielen: Stichwort Nachhaltigkeit oder besser: Sustainability. CO2-neutrale Ansetzungen für die Kreisklasse, Schiedsrichter könnten via Webcam zugeschaltet werden und über eine Kamera im Mittelkreis das Geschehen beobachten, Trainer könnten vom Sofa aus coachen - dass wäre doch mal was. Und Fans, die sich darüber beschweren könnten, sind quasi nicht existent. Ich übertreibe.

Aber was man an Wegen und Spritkosten auf sich nimmt, ist schon beachtlich, wenn man bedenkt, dass es sich nicht um Unterwasserboxen handelt sondern um Fußball, den Sport schlechthin in Deutschland - an jeder Ecke ein Bolzplatz und mehr als 25.000 Vereine - da muss es doch auch ein Team in der Fremde geben. Gibt es, aber leider ohne den Michael, den man noch aus der C-Jugend kennt. Und dann zieht man eben mehrere Stunden Autofahrt den Unbekannten aus der neuen Nachbarschaft vor. Sich eine andere Mannschaft mit wildfremden Mitspielern zu suchen ist nicht jedermanns Sache, auch nicht meine. Es ist eben doch was anderes ob man mit denen oder denen spielt.

Gemeinsames Training gibt es bei dieser Konstellation nicht. Jeder hält sich auf seine Art fit oder eben nicht. Die meisten Mitspieler kommen einfach nur Woche für Woche zum Spiel und hoffen darauf, dass sie konditionell mithalten können. Teambuilding gibt es nur am Spieltag oder beim Saisonabschluss. Man trifft sich 1 Stündchen vor den Spielen am Sportplatz oder am Treffpunkt für die Auswärtsspiele. Oft fährt man auch direkt zum Schauplatz des Auswärtsspiels, weil es einfach kürzer ist, als zuerst in den alten Heimatort zu fahren. 30 Minuten vor Anpfiff trifft man sich in der Kabine und dann geht es auch gleich aufs Feld. Hinterher Duschen, ein schnelles Bier und der übliche Dialog zwischen Spieler und Trainer:
Spieler: “Tschüß.”
Trainer: “Dann bis nächste Woche.”
S.: “Nee, da kann ich nicht, tut mir Leid. Dann in zwei Wochen.”
T.: “Da ist spielfrei, dann sehen wir uns in drei Wochen zum Heimspiel.”
S.: “Puh, da weiß ich noch nicht wegen Arbeit...wir telefonieren?”
T.: “Wir telefonieren.”

Dann schwingt man sich zurück ins Auto und zack, ist ein ganzer Tag des Wochenendes im Arsch. So schnell kann es gehen. Aber wenn der Trainer nicht immer nur nach Leistung aufstellt und du sicher weißt, dass du spielst, einfach weil du den weiten Weg hinfährst, ist das doch irgendwie bequem und man hat das gute Gefühl schon vor Spielbeginn etwas für seine Mannschaft getan zu haben.


Dienstag, 4. Dezember 2012

Den Cashflow reinvestieren - damals und heute


Der BVB hat einen Trainer, der total erfolgsbezogen mit Dortmund Meister werden will, der Präsident spricht bei Neuverpflichtungen von einer "Erhöhung des Anlagevermögens" und dem Manager unterstellen die Fans "kühlen Geschäftssinn". Borussia Dortmund im Jahr 2012? Nicht wirklich! Borussia Dortmund Anfang der Neunziger schon eher.

Im Archiv des Spiegels lässt es sich ja hervorragend stöbern und so bin ich auf zwei Texte vom März 1993 und Dezember 1994 gestoßen, die die Situation beim BVB zur damaligen Zeit beschreiben:
Die Artikel werfen einen kritischen Blick auf die Dortmunder und verurteilen die Kommerzialisierungstendenzen im Fußball. Der BVB, gerade auf dem Weg nach oben nach guten Platzierungen in der Bundesliga und dem Einzug ins Finale des UEFA-Pokals 1993, und immer darauf bedacht, die Mannschaft mit Serie A-Spielern zu verstärken. Die drei oben angesprochenen Akteure Hitzfeld, Niebaum und Meier sind da schon seit 1991 zu dritt am Werk und basteln an einer erfolgreicheren Borussia. Und sind damit ja bekanntermaßen nicht ganz unerfolgreich. Mit viel Geschäftssinn geriert man sich als wachsendes Unternehmen und betreibt offensives Marketing. Dem Spiegel ist das Gebaren der Dortmunder ein Dorn im Auge. Viel zu erfolgs- und finanzorientiert, zu weit weg von den echten Fans. Hitzfeld wirkt so seriös, "als sei er vom Personalberater irrtümlich auf den Fußballplatz geschickt worden". Die Fans in der Fußgängerzone meinen: Die Liebe des Trainers Hitzfeld zum Verein laufe wohl "über den Gehaltsstreifen". Niebaum hat bei der Verpflichtung von Matthias Sammer lediglich den Cashflow der Borussia reinvestiert.

Man kommt zwar im Spiegel nicht umhin den Dortmundern Erfolg zu attestieren, allerdings wird ein negatives Bild vom Verein gezeichnet - vom "Stollen-Darwinismus", der die Mannschaft beherrschen würde, fabuliert der Spiegel da.

Im Vergleich zu heute wirkt das zunächst wie die turbokapitalistische, längst abgeschüttelte Vergangenheit. Präsident Rauball und Geschäftsführer Watzke haben den Verein saniert und wirtschaften vorsichtig optimistisch, Sportdirektor Susi Zorc, der vom Platz ins Büro gewechselt ist, verstärkt die Mannschaft mit jungen Talenten und an der Linie steht das genaue Gegenteil vom kühlen Ottmar Hitzfeld, Jürgen Klopp, der Pöhler, der "seine Jungs" nach vorn peitscht und mindestens genauso abgeht, wie die Dortmunder Fans. Nach außen wirkt das viel sympathischer.

Aber wenn man genauer hinschaut, liegen die Unterschiede der Dortmunder von heute und 1993 doch eher in der Art der Außendarstellung. Vor 20 Jahren dachte man sich: wir kommunizieren jetzt mal wie ein Großunternehmen und bauen ein paar Wirtschaftsvokabeln in unsere Interviews ein und natürlich war auch das Ziel ein anderes - Titel! Nach außen hin wollte man Vertrauen über Leistung und Erfolg aufbauen. Aber das klappt eben nur solange, wie man auch erfolgreich ist.

Heute gibt man sich in Dortmund und auch anderswo in der Bundesliga viel volksnäher und bescheidener. Wenn es um den Schuldenabbau im Verein geht, beschreibt Geschäftsführer Watzke der breiten Öffentlichkeit den Ernst der Lage nicht mit Zahlenkolonnen sondern erzählt lieber die kleine Anekdote, wie er einem Mannschaftsbetreuer 50 € zustecken musste, damit die Trikots gewaschen werden können. Wirkt doch viel heimliger als den Cashflow zu investieren? Und Michael Zorc, der Sportdirektor (Manager hört sich so nach Geld an), blättert für ein junges Talent auch mal 17 Mio. € hin. Und innerhalb der Mannschaft gibt es vermutlich auch Konkurrenzdenken, auch wenn nach außen alles recht harmonisch wirkt.

Die Dortmunder sind mehr denn je ein wirtschaftendes Unternehmen mit Businessplan, Cashflow, Stadionerlebnis für die ganze Familie und allem Drum und Dran - nur lassen sie uns das nicht mehr so sehr spüren.

Was ich damit sagen will? Auf keinen Fall will ich den BVB hier wegen seiner Außendarstellung verunglimpfen, die Kommunikation nach außen passt vor allem hervorragend zu handelnden Personen und Verein. Aber sie soll eben auch Sponsoren gefallen und man sollte sich immer bewusst sein, dass alles, was wir von den Dortmundern hören und sehen auf einer wie auch immer gearteten Kommunikationsstrategie beruht. Wir nehmen es ihnen gern ab und empfinden ein warmes Kribbeln in der Magengegend, wenn die Dortmunder Jungs Real Madrid schlagen. Mir gefällt diese Borussia besser als die der Neunziger und ein Bundesligist ohne Businessplan, der geführt wird die Bäckerei nebenan, wäre wohl kaum denkbar. Oder?

Aber die alte erfolgsgierige, Global-Player-Borussia passte vielleicht auch besser zu den Neunzigern, als sich jedermann auf Tatort-Onkel Krug verließ und fleißig T-Aktien zeichnete, um endlich auch schnell reich zu werden. Und wenn ich mich an meine Grundschulzeit Mitte der Neunziger erinnere, muss ich sagen, dass das Konzept von damals aufging - meine Mitschüler waren fast ausschließlich in Schwarz-Gelb gekleidet - 600 km von Dortmund entfernt. Aber diese Fanbasis war vergänglich - sie kaufte sich zwar Trikots und Schals, wandte sich aber später wieder vom Verein ab. Auch deshalb scheint der heutige Dortmunder Ansatz vielversprechender, denn es soll eine emotionale Bindung zwischen Fan und Verein aufgebaut werden. Der Verein als Wohlfühlmarke - das ist auch State-of-the-Art in der heutigen Werbewirtschaft (man denke an die neue Strategie eines Herstellers brauner Brause).

Wie gesagt, ich möchte hier nicht an den Dortmundern herummäkeln, auch ich finde sie sehr sympathisch. Die Spiegelartikel hingegen sind starker Tobak - ich konnte leider nicht herausfinden, welcher Journalist sich dort austoben durfte. Das Auftreten der Dortmunder passte, von heute aus betrachtet, sehr gut in die Zeit und der vorübergehende Erfolg gab dem BVB recht.

Freitag, 23. November 2012

Beim letzten Mal - Ein Jahr im Kreis + "Vorwort"

Wieso und warum - Ein Jahr im Kreis


Ich konsumiere nicht nur Fußball, ich spiele auch. In der untersten Liga. Aufm Dorf. Ein Jahr im Kreis ist eine Sammlung von Texten, die ich nach und nach hier veröffentlichen werde und eine Spielzeit aus meinem Blickwinkel wiedergibt.

Alle Spiele sind bereits gelaufen, einige Texte schon fertig, die meisten noch in der Mache. Mein Ziel ist es, mit den Texten eine in sich abgeschlossene Geschichte zu erzählen, deshalb kann es sein, dass im Nachhinein hie und da noch geändert wird.

Ich möchte vorwegnehmen, dass detaillierte Spielberichte nur einen Teil der Texte ausmachen werden und es auch um das ganze Drumherum in der untersten Spielklasse geht. Das wurde vermutlich an anderer Stelle von anderen Schreibern schon tausendfach getan, aber eben noch nicht von mir.

Keine Fiktion, alles so passiert mit der ein oder anderen Über/Untertreibung und hoffentlich unterhaltsam für den Leser.


Beim letzten Mal


Mein letztes Spiel in der 2. Männermannschaft hatte ich im Mai bestritten - es war eine bedeutungslose aber dennoch schmerzhafte Niederlage.

Der Stellenwert des Spiels ließ sich schon an der kurzen Ansprache vor dem Match erkennen. Wo sonst rudimentär über Taktik und Spezialaufgaben (“Du stehst dem Neuner immer auf den Füßen”) gesprochen wird, kam in diesem Fall folgende Ansprache (sinngemäß): “Vergesst nicht, nächste Woche ist spielfrei und in zwei Wochen ist unser letztes Spiel - zu Hause. Versucht, zu dem Tag alle da zu sein, auch wer nicht spielt, wir wollen die Saison ausklingen lassen. Der Martin gibt seinen Ausstand und in der Mannschaftskasse hat sich auch Einiges angesammelt - es wird also genug zu trinken geben. Wir werden grillen, nicht dieses ekelhafte Zeug, das man im Supermarkt bekommt sondern richtiges Fleisch, darum werde ich mich kümmern. Also seht alle zu, dass ihr da seid.”

Bei der Sache mit dem Fleisch blickten dann doch einige auf. Warum unser Trainer keinen Satz zum Spiel/Gegner verloren hatte, war aber irgendwie auch klar, denn jeder wusste, was uns bevorstand: Ein Team, das mehr kämpfte als spielte, das je nach Aufstellung über ein bis zwei Könner verfügte, ansonsten nach allem trat, was sich bewegte und dessen Spieler vor allem eines taten - 90 Minuten um ihr Leben rennen. Genau das hatte uns unser Trainer schon in den zwei (ja, zwei) vorherigen Saisonspielen und in den Vorjahren gegen dieses Team mit auf den Weg gegeben: “Die können kein Fussball spielen und rennen 90 Minuten um ihr Leben. Lasst den Ball laufen, sonst treten die euch die Knochen kaputt.”

Aber irgendwie taten wir uns doch immer schwer mit den laufstarken Allestretern - das erste Spiel hatten wir nach grottiger Leistung in letzter Minute verloren, die zweite Begegnung konnten wir knapp (durch einen Elfmeter, wenn ich mich richtig erinnere) für uns entscheiden. Was sollte unser Trainer uns also vor diesem bedeutungslosen Spiel gegen einen Gegner, den wir gut kannten, mitgeben? Eben, es gab nichts zum Spiel zu sagen, da kann man die Zeit auch sinnvoll nutzen und über den Saisonabschluss sprechen, wenn ausnahmsweise mal alle zuhören.

Das Spiel selbst war dann das erwartete Desaster. Schon nach wenigen Minuten kassierten wir nach einem Freistoß ein unnötiges Gegentor. Freistoßgegentore! Unnötig zu erwähnen, dass Tore nach Freistößen gefühlt immer nur für den Gegner fallen. Wieso konnten wir nicht mal einen ordentlichen Freistoß in den Strafraum schlagen und einköpfen oder den Abpraller vom Torwart verwerten? Wieso bekamen wir nie Freistöße in aussichtsreicher Position zugesprochen? Generell Standardsituationen! Da tat sich nichts, wenn ich meiner Wahrnehmung glauben schenken konnte. Egal.

Aufwändig arbeitete man sich ins Spiel zurück, um gleich nach dem Ausgleichstreffer noch vor der Halbzeit ein weiteres Tor zu bekommen. 2:1 Halbzeitstand - in den zweiten 45 Minuten würden die mit allen Spielern in der eigenen Hälfte stehen, warten bis wir den Ball verlieren und ihn sofort weit nach vorn klatschen, wo dann schon irgendjemand stehen würde - tolle Aussichten.

Aufgrund der bereits sommerlichen Temperaturen machte nach 15 Minuten der 2. Halbzeit ein Großteil der Mannschaft schlapp - es fehlte einfach die Kraft, Angriffe koordiniert zu Ende zu spielen und den Gegner ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Diese Art zu verlieren, ist schlimm - du liegst knapp zurück, merkst aber, dass kein Pass mehr ankommt. Irgendwann hörst du dann auf, dich nach vorne zu orientieren, weil die Bälle so schnell verloren gehen, dass du jedes Mal postwendend zurücklaufen musst. Dann kommen die Auflösungserscheinungen: die Verteidiger versuchen sich nach vorne einzuschalten, aber die Bälle sind trotzdem sofort weg und hinten entstehen riesige Lücken.

Dann wird man im Minutentakt überrannt und versucht, hinten geblieben, Schlimmeres zu verhindern. Dazu trugen in diesem Spiel auch die unfähigen Stürmer des Gegners bei, die es nicht fertigbrachten, den Ball nochmal ins Tor zu stolpern. Also bist du die ganze Zeit nur mit einem Tor hinten und wenn nur eine Aktion...aber da war nichts. Eine peinliche Vorstellung.

Nach dieser Niederlage war ich restlos bedient - einerseits war ich von mir selbst enttäuscht, denn ich hatte mir nicht wenige Schludrigkeiten geleistet, andererseits von der Mannschaft und dem Zustandekommen des Ergebnisses. Hinzu kam, dass ich im nächsten Spiel sowieso nicht spielen sollte und so beschloss ich, das gute Grillfleisch und das Freibier den anderen zu überlassen und mich still und heimlich in die Sommerpause zu verabschieden.



Dienstag, 13. November 2012

Der durchschnittliche Meister

Bei meiner Meisterbesiegererhebung ließen sich ganz nebenbei noch andere Informationen zu Tage fördern, und zwar, wie der amtierende Meister in der darauffolgenden Saison geliefert hat. Als Feind von Zahlenkolonnen und Freund des Visuellen, habe ich mich an einer Infografik versucht (kostenlos erstellt mit Piktochart).


Siege und Niederlagen

Der amtierende Meister gewinnt mehr als die Hälfte seiner Spiele (53,5 %). Die restlichen werden je zu knapp einem Viertel verloren oder gehen Unentschieden aus.
Die meisten Siege in einer Saison konnten die Bayern 72/73 erringen - insgesamt 25 Stück - das reichte natürlich zur Titelverteidigung. Die wenigsten Siege schaffte der Klub 68/69 - nur 9-mal konnte gewonnen werden - und stieg bekanntermaßen als einziger Meister direkt ab.
Die meisten Unentschieden als amtierender Meister kann der BVB verbuchen. Gleich 13-mal mussten die Punkte in Zeiten der Drei-Punkte-Regel 02/03 geteilt werden.
Nur eine einzige Niederlage mussten die Bayern bei ihrer Titelverteidigung 86/87 hinnehmen. Die meisten Niederlagen steckten nicht die abgestiegenen Nürnberger ein sondern der VfB Stuttgart 84/85 - ganze 15-mal ging man als Verlierer vom Platz.

Tore und Gegentore

Pro Saison schießt der amtierende Meister durchschnittlich 68,71 Tore - das sind etwas mehr als 2 Tore je Spiel. Auch hier sind es die Bayern, die aktuell den Bestwert halten mit 95 Treffern in der Saison 73/74. Selbst in der Niederlage konnten die Bayern das Toreschießen nicht lassen - die legendäre 4:7-Niederlage am Betzenberg ereignete sich am 12. Spieltag:
Die wenigsten Tore erzielte die Eintracht aus Braunschweig 67/68 als sie nach ihrer Überraschungsmeisterschaft nur Platz 9 erreichte bei 37 Toren.
Im Schnitt 40,69 Gegentore frisst der amtierende Meister. Die sicherste Meisterabwehr stellte der BVB, nur 24-mal zappelte der Ball im Netz - das reichte aber nicht zur Titelverteidigung sondern nur zu Platz 3 und den bereits erwähnten 13 Unentschieden in der Saison 02/03. Die durchlässigste Abwehr hatten die Bayern 74/75 am Start - 63 Gegentore gab es. 0:6 verlor man mit 6 frisch gebackenen Weltmeister gleich am ersten Spieltag beim Außenseiter in Offenbach:
Ich will noch einmal kurz auf die bereits erwähnten Stuttgarter aus der Saison 84/85 zurückkommen, denn nicht nur bei der Anzahl der Niederlagen sondern auch bei den Toren war man überdurchschnittlich. Die Stuttgarter erreichten zwar nur Platz 10, schossen dabei jedoch 79 Tore. Karl Allgöwer und die 20-jährige Neuverpflichtung Jürgen Klinsmann trafen zusammen 34-mal.

Platzierung

Bei den Platzierungen der amtierenden Meister gehört der 10. Platz der Stuttgarter schon zum schlechtesten, was die Bundesliga zu bieten hat - nur die bereits angesprochenen Gegentor-Bayern (74/75, Platz 10) und die abgestiegenen Nürnberger bewegen sich in diesen Sphären. 12 Meister erreichten Platz 4 - 9, fast 70 % erreichten Platz 1 - 3 und gleich 15-mal gelang die Titelverteidigung. Im Schnitt bedeutet das eine Platzierung von 3,47 für den Meister.

Jetzt aber endlich die angesprochene Infografik, die einem einen Großteil der Lektüre erspart:


Zur Infografik:

Gemacht mit Piktochart, erhoben mit Daten aus meiner Meisterbesieger-Statistik. Piktochart bietet in seiner free-Variante ordentliche Funktionen zur Formatierung an, die Möglichkeiten zur Darstellung der Daten ist stark begrenzt. Kreisdiagramm 1 gibt die Werte exakt wieder, am Balkendiagramm habe ich manuell herumgeändert (Minimum/Maximum) und das Platzierungsdiagramm ist nach Augenmaß entstanden. Im Großen und Ganzen ist der Dienst aber ganz brauchbar.

Montag, 8. Oktober 2012

Meisterbesieger relativ


Update: hier sind alle Beiträge zu diesem Thema zu finden.
Mein erster Beitrag zum Meisterbesiegerkomplex lässt natürlich Fragen offen. Die Statistik-Experten recken ihre Zeigefinger behände in die Höhe und raunen "Moment mal!". Denn die absolute Anzahl an Meistersiegen lässt sich zwar leicht ermitteln, aber so kann man kaum vergleichen zwischen den einzelnen Teams. Eine Mannschaft, die viele Spielzeiten im Oberhaus verbracht hat, wird zwangsläufig mehr Siege gegen den Meister eingefahren haben, als ein Team, das eher in Liga zwei beheimatet ist und nur eine handvoll Saisons in der Bundesliga gespielt hat. Deshalb habe ich nach den absoluten auch die relativen Werte berechnet (weiter unten wird erklärt, wie).

Absoluter Spitzenreiter bei diesem Wert ist nun gerade so ein Team, das relativ selten in der Bundesliga vertreten ist (4 Saisons, aktuell Platz 33 der ewigen Tabelle), aber anscheinend immer gegen den Meister besonders motiviert ist: die Alemannia aus Aachen. In der Bundesliga war man drei Spielzeiten lang von 1967-70 und dann nochmal 2006/07 vertreten. Jedes zweite Spiel gegen den Meister konnte gewonnen. Auf dem Tivoli liegt die Quote sogar bei 75 %. Und mit 25 % hat die Alemannia auch die Spitzenposition bei den Auswärtsspielen inne - zusammen mit Dynamo Dresden. In der Saison 68/69 konnte man den amtierenden Meister gleich zweimal schlagen, was allerdings kein besonders großes Kunststück war - der amtierende Meister hieß Nürnberg und stieg bekanntermaßen ab.

2006/07 gewann man zuletzt gegen den amtierenden Meister Bayern am Tivoli 1:0. Zwei Monate zuvor hatten die Bayern ebenfalls in Aachen verloren und nach einem 2:4 aus dem DFB-Pokal ausgeschieden. Ein sagenumwobenes Pokalspiel, bei dem die Alemannia zur Halbzeit 3:0 führte, die Bayern nach der Pause auf 3:2 verkürzten und Jan Schlaudraff mit einem sehenswerten Solo in der 90. Minute den Schlusspunkt setzte. Wer bei diesem Spiel an den Fernschuss von Stefan Blank denkt, der liegt falsch - dieses Tor fiel bereits 2004, auch im DFB-Pokal. Aber ich schweife ab.

Auf Platz 2 der relativen Meisterbesieger landen die Bayern, die natürlich bei den absoluten Werten schlechter abschneiden wegen ihrer vielen eigenen Meistertitel. Auch wenn es dafür keines Beweises bedarf, die Platzierung zeigt, dass die Bayern, auch wenn sie nicht gerade Meister waren, oben mitspielten.

So wurde es berechnet: Jedes Team hat pro Saison zwei Spiele gegen den Meister zu bestreiten - außer die betreffende Mannschaft ist gerade selbst amtierender Meister oder nicht in der Bundesliga vertreten. Anhand der ewigen Tabelle konnte relativ schnell die Anzahl der Bundesligasaisons ermittelt werden, davon wurden dann (wenn möglich) die Spielzeiten als amtierender Meister abgezogen - fertig.



Hier kann man sich das Ganze in Großformat ansehen!

Donnerstag, 20. September 2012

Meisterbesieger

Update: hier sind alle Beiträge zu diesem Thema zu finden.

Ich bin Freund von Fußball-Statistiken - auch von den unnützen, leicht nerdigen. Mich trieb die Frage um, welche Mannschaft in der Bundesliga wie oft den amtierenden Meister geschlagen hat (warum auch immer). Auf Anhieb war keine Antwort auf den einschlägigen Seiten zu finden - also machte ich mich in fizzeliger Kleinarbeit selbst daran, den besten Meisterbesieger zu ermitteln.

Also habe ich die Spiele des Meisters einer jeden Saison herangezogen (in der ersten Bundesligasaison habe ich den BVB als amtierenden Meister gesetzt) und alle Niederlagen bis zum Mai 2012 dokumentiert. Ich werde nach und nach sowie ich dazu komme, immer mal wieder die Erkenntnisse meiner Datenerhebung publizieren. 

Für dieses Mal habe ich mir die Gesamtanzahl der Siege herausgepickt. Wer hat also die meisten Spielen gegen den amtierenden Meister in der Bundesliga gewonnen? Diesen Titel kann der derzeit nicht auf Rosen gebettete 1. FC Köln für sich verbuchen! Ganze 27-mal konnte man den amtierenden Meister schlagen. Auf den weiteren Plätzen folgen die Liga-Urgesteine Werder Bremen (24), HSV (23) und Bayern (22). 

Auch bei Heim- und Auswärtssiegen ist Köln Spitze - 18-mal wurde der Meister im eigenen Stadion geschlagen, 9-mal in der Fremde. Ebenfalls mit 18 Heimsiegen können aber auch die Eintracht aus Frankfurt und die Bayern aufwarten. Bei den Auswärtssiegen können die Bremer mit Köln mithalten. 

Am anderen Ende gibt es natürlich auch einen ganzen Sack voll Teams die den amtierenden Meister in ihrer kurzen Bundesligageschichte nicht ein einziges Mal schlagen konnten - Rot-Weiß Oberhausen konnte in seinen 4 Bundesligajahren den Meister nicht schlagen. So sieht das dann in ein Diagramm gegossen aus:


   


Hier kann man sich das Ganze in Großformat ansehen!


Noch ein Update aus aktuellem Anlass:
Zu den anstehenden Europapokalpartien stelle ich in Infografiken die Gegner der deutschen Teams vor. Bisher Donezk und Anzhi - mehr in Kürze. Klick aufs Bild und schon gibt's die Grafik in groß:
 

Donnerstag, 6. September 2012

Verbannung - Blick auf die Insel - 6. September

Wayne Rooney

Äußerungen aus seinem bald erscheinenden Buch werden genüsslich seziert und Jamie Jackson fragt sich gar, ob der Stürmer seine besten Tage schon hinter sich hat. Rooney hatte mit vielen Verletzungen zu kämpfen und nach zehn Jahren in der Premier League hat sein Körper Einiges mitgemacht. Die meisten Länderspiele der jüngeren Vergangenheit hat er verpasst und nun bei United durch die Neuzugänge mehr Konkurrenz. Jackson spekuliert sogar, ob Ferguson seinen Stürmer im kommenden Sommer ziehen lassen könnte.

Malouda verbannt?

Florent Malouda, 32 und gerade im letzten Vertragsjahr bei Chelsea, betrachtet sich als verbannt. Seiner Aussage nach muss er für den Rest der Saison mit Chelseas U21 trainieren:


Spieltag 3 - Krise in Liverpool

Während United nach einem knappen 3:2 mit drei Toren von Neuzugang van Persie wieder auf Kurs ist, brennt bei Liverpool der Baum. Einen Punkt konnte man aus drei Spielen (davon zwei an der Anfield Road) holen. Zuletzt gab es eine 0:2 Heimschlappe gegen Arsenal. Die Medien machten daraus eine handfeste Krise und drohten Neutrainer Brendan Rodgers sogar mit Michael Owen, der inzwischen bei Stoke unterschrieben hat.

Der Blick auf die Insel - die kurz-knackige und super-subjektive Presseschau für die Premier League. 
Wünsche, Anregungen, Kritik - her damit!