Ein Jahr im Kreis
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Lange Fußballtexte wechselnder Autoren. Von und mit mir.
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Dienstag, 9. Juli 2013

Unvorbereitung - Ein Jahr im Kreis #3

Eigentlich war ich als Kind/Jugendlicher gar nicht so unsportlich. Ok, alles was mit meinen Händen zu tun hatte - irgendwas werfen, Geräteturnen, Volleyball waren nicht meine Stärke. Aber mit den Beinen! Na gut, Springen war auch nicht mein Ding. Aber zumindest war ich ein schneller und ausdauernder Läufer. Das kam mir beim Fussballspielen natürlich sehr zu Gute.

Aufgrund fehlender sportlicher Betätigung ließ meine Kondition im Teenageralter alsbald nach und als ich in die große Stadt zog, meinen Bürojob antrat und ausschließlich per ÖPNV verkehrte, ging meine Kondition gegen Null. Nach einem einzigen Sprint war zu dieser Zeit Schluss und mir wurde schwindelig, bei läppischen Freizeitkicks blieb mir sofort die Puste weg.

Besserung stellte sich mit dem Kauf eines Fahrrads ein, mit dem ich fortan nicht ganz regelmäßig meinen Arbeitsweg meisterte. Hinzu kam der wöchentliche Freizeitkick und unregelmäßige Waldläufe (immer wenn ich es in einer Woche zweimal “tue”, nehme ich mir vor dranzubleiben, aber irgendwie kommt immer was dazwischen - ungünstige Wetterverhältnisse, weitere Ausreden hier einfügen). Das Alles hat dazu geführt, dass sich meine Kondition auf niedrigem Niveau stabilisiert hat. Ich bin nicht wirklich zufrieden, aber zumindest blamiere ich mich nicht, weil ich nach Luft hechelnd in den ersten 15 Minuten zusammenbreche.

Eine umfangreiche Vorbereitung wäre deshalb besonders wichtig für mich. Wäre. Praktisch fiel meine Saisonvorbereitung wie folgt aus: Beginn - Mittwoch vorm ersten Spieltag 19:30 Uhr, Abschluss Mittwoch vorm ersten Spieltag 21 Uhr. Das war’s. Nicht mehr als der übliche Freizeitkick. 1 1/2 Stunden mit ein paar Freizeitsportlern auf dem Kleinfeld kicken - muss reichen.

Wenigstens habe ich ETWAS gemacht, mehr als sonst, überdurchschnittlich sozusagen, besser als Nichts. Typisch. Und mehr als viele meiner Mitspieler.

Denn an gemeinsames regelmäßiges Training ist kaum zu denken, wenn ein Großteil der Mannschaft unter der Woche arbeitend und studierend über Deutschland verstreut ist. Mit den verbliebenen 4 Spielern lässt es sich schlecht trainieren und beim Training mit der 1. Mannschaft sieht man als Spieler aus der 2. nie besonders vorteilhaft aus. Da bleibt man dann aus Gründen der Faulheit lieber zu Hause und bereitet sich mental vor - ist ja auch wichtig. Vor jeder neuen Saison mache ich mir Gedanken, was denn nun in diesem Jahr besser werden soll.

Meine großen Probleme lassen sich relativ klar umreißen: fehlende Kondition (obwohl ich dafür eigentlich die Voraussetzungen mitbringe), fehlende Spielpraxis und irgendwie, naja wie soll ich sagen, Durchsetzungsvermögen oder eine zupackende Art - irgendwie war mir das abhanden gekommen. Wenn ich auf dem Platz stehe, bin ich eher unsicher als siegessicher und neige zu sogenannter Fickrigkeit. D.h. in der Praxis, dass der Ball manchmal überhastet weggeschenkt wird, obwohl ich doch dank jahrelangem Training in der Lage sein sollte, auf 3 Meter einen Pass zu spielen. Vielleicht denke ich auch einfach zu viel auf dem Platz. Aber wie so oft sollte in diesem Jahr alles anders werden und eine ordentliche Kondition würde die Grundlage bilden. Die körperliche Überlegenheit - so meine Theorie - würde auch für mehr geistige Frische sorgen. Wie meine knallharte Vorbereitung dann in der Praxis lief, beschrieb ich ja bereits.

Also kein Konditionsgebolze bei endlosen Waldläufen und Sprintübungen. Keine einstudierten Spielzüge, Standards oder ein eingespieltes Team. Denn Testspiele im unteren Amateurbereich so wie ich sie kenne, gehorchen besonderen Gesetzen - niemand würde wegen eines Testspiels vorzeitig seinen Urlaub abbrechen. Dementsprechend ist die Beteiligung. Wenn überhaupt eine Mannschaft zusammenkommt, dann nur, weil längst ausgemusterte Spieler reaktiviert werden. Auf dem Platz steht man dann mit Männern jenseits der 40 und bekommt in der Mittagshitze eine ordentliche Abreibung. Es gibt Schöneres und Sinnvolleres. Wer hingeht, ist der Dumme. Deshalb wurde unser einziges Testspiel vor der Saison folgerichtig abgesagt. Und so geht das eigentlich in jedem Jahr. Vorsichtig wird ein einziges Spiel angesetzt, dass letztendlich doch abgesagt wird. Hat man selbst 11 Spieler beisammen, sagt der Gegner ab. Und Aufbaugegner sucht man in den Niederungen der Kreisklasse sowieso vergeblich.

Vor einer jeden Saison blüht dann am ersten Spieltag in der Kabine der gleiche Flachs: Die Mannschaft muss sich unter Wettkampfbedingungen finden. Es muss zusammenwachsen, was nicht so ganz zusammengehört. Teamdynamische Synergien können sich nur entwickeln, wenn “scharf” gespielt wird. Nur in Grenzsituationen, wenn das Team voll gefordert wird, kann die Mannschaft auf ein neues Level gelangen.
So oder so ähnlich geht das dann vorm Spiel. Und jeder weiß, dass es Quatsch ist und der einigermaßen eingespielte Gegner einen in ein paar Minuten eines Besseren belehren wird.

Kommentare:

  1. Darf ich davon ausgehen, dass "Ein Jahr im Kreis" nicht ein Jahr nach dem ersten Text enden, sondern jetzt erst richtig Fahrt aufnehmen und dann in einem Jahr erst, und vielleicht doch nicht, enden wird?

    (Keine ganz faire Frage, ich weiß.)

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    1. Danke der Nachfrage. Das Ganze ist als eine Artikelserie gedacht. Dieser Text ist bereits Teil 3. Startschuss war im letzten November und dann lag das Thema, wie auf Twitter angedeutet, lange brach.

      Es sind 10-20 Texte geplant (die am Ende hoffentlich eine Sinneinheit bilden), die den Verlauf einer Saison im unteren Amateurbereich nachzeichnen. Das Ganze beruht auf wahren Begebenheiten und die Saison, über die ich schreibe, ist bereits Geschichte.

      Mein Plan war eigentlich das "Jahr im Kreis" innerhalb eines Kalenderjahres zu Ende zu bringen, aber irgendwie kommt immer etwas dazwischen. Was ich in jedem Fall versprechen kann - weitere Texte folgen.

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    2. Den ursprünglichen Ansatz kannte ich. Meine Frage bezog sich eben darauf, dass "ein Jahr" dann ja schon im November/Dezember enden müsste, dass bei der bisherigen Frequenz dann aber nicht sehr viel zusammenkommen dürfte. Was sehr schade wäre. Aber das hast Du ja in zuversichtlich stimmender Weise beantwortet.

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