Ein Jahr im Kreis
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Lange Fußballtexte wechselnder Autoren. Von und mit mir.
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Donnerstag, 27. Februar 2014

Ping-Pong - Ein Jahr im Kreis #7

Welcher Aufwand ist gerechtfertigt, um ein Fußballspiel auf der untersten Ebene nicht zu verpassen? Welche finanziellen Opfer kann man bringen, um am Samstagnachmittag in einem eigentlich bedeutungslosen Spiel gegen den Ball zu treten? Wäre es verrückt, extra für diesen Zweck ein Auto anzumieten und damit einen hohen zweistelligen Betrag in den Sand zu setzen? Meine verblüffende Antwort auf diese Frage war im Vorfeld von Spieltag 4: Natürlich nicht!

Das hing einerseits mit dem positiven Ergebnis der Vorwoche zusammen. Nach einem hohen Sieg wollte ich auf der Welle des Erfolgs mitschwimmen. Nicht, dass sich im Team jetzt doch noch eine gewisse Eingespieltheit entwickelt - ohne mich. Denn auch wenn es selten eintrat, dauerhaft gute Ergebnisse bei eigener Abwesenheit, können selbstverständlich auch in der Kreisklasse den Stammplatz kosten. Und der Gegner, der auf uns wartete, begünstigte den Traum von zwei Siegen in Folge. Es handelte sich um eines der Gurkenteams, die wir eigentlich hinter uns lassen wollten und mussten.

Außerdem war ich natürlich gespannt, wie sich mein konzertiertes Lauftraining in den letzten Wochen auf meine Leistung auswirken würde. Zumindest negativ sollte sich das nicht bemerkbar machen. Die Neugier herauszufinden, ob ich nun die Außenlinie hoch und runter marschieren könnte, war groß.

Und natürlich gab es auch eine emotionale Komponente, die mich dazu brachte eigens ein Auto zu mieten, um an diesem Auswärtsspiel teilnehmen zu können. Die Partie fand just in dem kleinen Städtchen statt, in dem ich acht Jahre lang die Schulbank des Gymnasiums gedrückt hatte. Oft verschlug es mich nicht mehr dorthin. Also eine gute Gelegenheit, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Schnell vorab noch eine Runde auf dem am Samstag ausgestorbenen Schulhof gedreht - bei einem gefühlten Wendekreis von 2,50 m kein Problem mit dem Mietwagen. Keine Ahnung, wieso man so etwas tut. Normalerweise hänge ich der Vergangenheit nicht so sehr nach. Aber man will doch wenigstens wissen, ob alles noch so aussieht, wie beim letzten Mal.

Beim Gegner gab es trotz meiner Schulzeit vor Ort nur wenige bekannte Gesichter. Eines begrüßte mich aber schon kurz nach dem Aussteigen aus meinem Mini-Miet-Mobil: “Mensch Mülli, was machst du denn hier, ich dachte, du wärst tot.” Ein warmer Empfang, der nicht dadurch besser wurde, dass der Spitzname “Mülli” sonst von niemandem verwendet wurde. Außer von Mertel, was wiederum der geläufige Spitzname meines “alten Bekannten” war. Mertel war der fünf Jahre ältere Bruder eines ehemaligen Klassenkameraden. In der 6. und 7. Klasse nahm ich nicht selten den beschwerlichen 15 km langen Weg (ohne Mietwagen, aber mit Fahrrad) auf mich, um den Klassenkameraden auf seinem Dorf zu besuchen. Bei mir war tendiziell weniger los und die Motivation meines Freundes mich zu besuchen, das gab er mir gegenüber offen zu, ging gegen Null. Zwangsläufig war ich also öfter bei ihm und lernte so auch Mertel näher kennen. Er machte zu der Zeit eine Bäckerlehre, schlief meist, wie er überhaupt die meiste Zeit des Tages im Bett verbrachte, fuhr einen alten Kadett, rauchte und trank (natürlich auch im Bett) und zockte auf seiner Playstation. Mit anderen Worten - er lebte meinen Traum.

Bier trinken und Rauchen, wann immer man wollte, Auto fahren, Prasselkuchen kostenlos und Videospiele spielen - ein Leben im Paradies - zumindest aus meiner damaligen Perspektive. Hätte ich mich in so jungen Jahren (und vermutlich auch noch ein paar Jahre später) für einen Lebensweg entscheiden müssen - dieser wäre es gewesen, den ich mit Feuereifer eingeschlagen hätte. Das dieser Lebensentwurf doch nicht so recht zu mir passte, merkte ich spätestens als ich mit Anfang 20 wieder auf Mertel traf.

Diesmal auf dem Fußballplatz. Er sah nicht so aus, als hätte sich in den letzten Jahren viel bei ihm geändert und bei unserem Wiedersehen war er noch nicht mal Teil der Gurkenmannschaft gegen die wir spielen sollten - er war lediglich eine Art Betreuer ohne genau erkennbare Funktion. “Betreuer” bedeutet in der Kreisklasse das chronische Langeweile mit absolutem fußballerischem Unvermögen aufs Erstaunlichste kulminiert. Soll heißen: man hat einerseits nichts Besseres zu tun, als sich am Samstag auf Fußballplätzen herumzutreiben und ist andererseits nicht mal gut genug um auf der untersten Stufe mittun zu dürfen.

Es mag sich vielleicht vermessen anhören, aber aus diesen Umständen zog ich für mich den Schluss, dass bei Mertel wohl nicht viel los war. Aber vielleicht irre ich mich auch und er hat heimlich sein Abitur nachgeholt, arbeitet jetzt bei einem Dax-Unternehmen, ist mit einer Schönheitskönigin verheiratet und besucht die Kumpels am Wochenende nur noch um der alten Zeiten Willen.

Mertel jedensfalls durchlief im gegnerischen Team einen gewissen Aufstieg, was ich im Umkehrschluss als Zeichen des schleichenden Niedergangs interpretierte (obwohl unsere Ergebnisse in den direkten Duellen nicht besser wurden). Beim letzten Aufeinandertreffen war er schon regulärer Torwart gewesen und das obwohl ich mich nicht daran erinnern konnte, dass er sich in früheren Jahren überhaupt mit Fußball befasst hätte. Wo er wohl heute auflaufen würde? Ich war gespannt.

Die Spielvorbereitung auf dem Platz und in der Kabine bedarf hier keiner näheren Erläuterung - kurze Ansprache und dann raus. Ich würde auf meiner angestammten Position als Linksverteidiger spielen. Vor, neben und hinter mir bekannte Gesichter, auf die man sich verlassen konnte. Zu grübeln gab mir unser letzter Mann - wiederum wurde ein 18-jähriger Jungspund aufgeboten, der gerade erst in unsere Mannschaft gekommen war. Und selbst wenn er dreimal schneller und technisch beschlagener als unsere Stammkraft auf dieser Position war - ich würde Routine und Erfahrenheit immer jugendlichem Tatendrang auf dieser sensiblen Position vorziehen.

Ich war diesmal als einer der ersten auf dem Platz - rückblickend würde ich sagen, dass ich es wahrscheinlich kaum erwarten konnte, den Gegner meine mutmaßliche läuferische Überlegenheit auf dem Platz spüren zu lassen. Mertel kam auch aufs Feld, allerdings nicht im Torhüterdress sondern als Feldspieler und so ein riesiges Aufgebot hatte der Gegner nicht. Das hieße ja, malte ich mir aus, dass man beim Gegner schon so verzweifelt war, diesen Rumpelfüßer aufbieten zu müssen. Insgeheim rechnete ich mir einiges aus. Als die Mannschaften vor Anpfiff Aufstellung nahmen, erkannte ich das ganze Ausmaß der gegnerischen Misere - Mertel wurde als Mittelstürmer aufgeboten. Jetzt war ich siegesgewiss. So einen lassen wir keine Tore schießen.

Schon vom Anpfiff weg versuchte ich Kapital aus meinem Lauftraining zu schlagen. In der ersten Viertelstunde lies ich mich oft anspielen und versuchte mich die Außenlinie herunterzukombinieren. Leider scheiterte ich immer wieder kläglich an der Kombiniererei. Es ist schon erstaunlich: Da spielt man seit Jahr und Tag Fußball, durchläuft alle Jugendmannschaften, verbringt vermutlich mehrere Tage seiner Lebenszeit damit, in stumpfen Trainingseinheiten, den Ball von A nach B zu passen und dabei irgendwo hinzulaufen und im Spiel ist man nicht in der Lage, das im Schweiße seines Angesichts Erlernte, den doch eigentlich so einfachen kurzen Pass, ordentlich zu spielen. Wieso fällt es einem so schwer, einen Ball auf eine Entfernung von 5-10 m ordentlich weiterzukullern?

Gefühlt verbaselte ich in meinen Sturm- und Drang-Minuten jeden Ball und konnte meine neu erlangte Kondition einsetzen, um hinten meine Fehler wieder auszubügeln. Ziemlich schnell hatte ich mein Pulver verschossen und musste Verschnaufpausen einlegen. Ich merkte zwar, dass ich mich körperlich besser fühlte, aber bis jetzt hatte mir mein Enthusiasmus nur Probleme bereitet. Schuster bleib bei deinen Leisten. Dem Rest des Teams gelang allerdings auch nicht viel.

Auf Seiten des Gegners hatte man trotz Heimrecht eine eher abwartende Haltung eingenommen und lies uns erstmal machen. Das interessante an diesem Spielkonzept - es ist garnicht mal so abwegig, dass man in der Kreisklasse mit einer so passiven Spielweise zum Erfolg kommt. Wenn dem Gegner, also uns, die spielerischen Mittel fehlen, um ein solches Team auseinanderzuspielen und man sich mit einem Unentschieden zufrieden geben würde, dann kann man problemlos in dieser Abwehrstarre verharren.

In uns fand die gegnerische Mannschaft ihr perfektes Opfer, denn spielerische Mittel waren Mangelware an diesem Tag. Nicht nur ich verhedderte mich immer wieder bei meinen Bemühungen, den Ball nach vorne zu tragen. Auch fehlte uns ein Stürmer vom Typ Brechstange. Eigentlich hatten wir ja so jemanden in unseren Reihen - einen passablen Fußballer von riesiger Statur, der eine gegnerische Abwehr mit seiner physischen Präsenz ordentlich beschäftigen konnte - nur stand der an diesem Spieltag nicht zur Verfügung. Wir arbeiteten uns also bemüht aber glücklos am Gegner ab, der seinerseits auf offensive Kabinettstückchen fast vollständig verzichtete und den Ball nach kurzer Zirkulation in den eigenen Reihen hoch und weit nach vorne beförderte. Empfänger dieser Bälle war dann meist Mertel, der zwar selbst groß gewachsen war, aber aufgrund seiner fehlenden fußballerischen Ausbildung jedwedes Stellungsspiel vermissen ließ.

Ein paar Chancen erspielten wir uns, aber ein Tor sprang nicht heraus.

Unsere Angriffsbemühungen waren fruchtlos. Das musste auch unser Ausputzer denken, der in seinem jugendlichen Tatendrang auf dem Platz Ad hoc ein Gegengift für die fehlende Durchschlagskraft unseres Kombinationsspiels entwickelte. Wie in dem vorangegangenen Spiel mit ihm begann er, auf ein nur für ihn sichtbares Zeichen hin, die Bälle im Spielaufbau nicht mehr flach nach außen oder vorn zu verteilen sondern sie mit aller Gewalt Richtung Mittellinie und darüber hinaus zu befördern. Mir erschien diese gewiefte Variante des Spielaubaus sofort als wenig erfolgversprechend, fehlte doch im Sturm jemand, der diese Bälle hätte annehmen und verarbeiten können. Eine erfahrene Abwehr, selbst eine in der Kreisklasse, hat mit derlei Bällen meist kein Problem - erst recht nicht, wenn ein Stürmer fehlt, der den Ü-35ern ein bisschen auf die Füße steigt. Durch jahrelange Erfahrung und unter Einbeziehung von Windgeschwindigkeit, Außentemperatur, Luftdruck und Stand der Sonne werden solche Bälle von den Routiniers mit der Mütze abgefangen. Auf einen sich verschätzenden Vorstopper kann man vielleicht noch in der A-Jugend spekulieren, aber nicht wenn es gegen routinierte Verteidiger Mitte 30 geht, deren Paradedisziplin genau das ist und die quasi seit 15 Jahren nichts anderes zuverlässig auf dem Fußballplatz machen, als hoch anfliegende Bälle abzufangen.

Diese eigenmächtige und radikale Umstellung unseres Offensivspiels führte unweigerlich zu einer Art Ping-Pong-Fußball. Minutenlang vor- und zurücktrabend, den Kopf immer gen Himmel gerichtet, um den Flug des Spielgeräts weiterzuverfolgen, fragt man sich, welchen Sport man eigentlich ausübt. Wenn der Ball von einem Strafraum zum anderen gedroschen wird, mutet Fußball doch eher wie eine steinzeitliche Kraftsportart an, deren Sinn es ist, den Ball möglichst hoch und weit aus der eigenen Spielhälfte weg zu befödern. Die Spieler versuchen dabei, den Gegner so gut es geht bei der Ausführung des Weitschusses zu behindern. Landet der Ball im Seitenaus, gibt es Punktabzug, wird das Leder ohne Berührung des Bodens direkt zurück befödert, gibt das Extrapunkte. Sieger ist, wer es schafft, den Ball aus dem eigenen 16-er mehr als 5 m über das Tor des Gegners zu schlagen. Gänzlich unnatürlich ist es bei dieser Regelauslegung, dass der Ball am Boden mit dem Fuß geführt wird - maximal zwei Ballberührungen je Spieler sind erlaubt - eine zum Zurechtlegen des Spielgeräts, die andere zum beherzten Zutreten. Das Spielgerät wird nur in Momenten höchster Not zum Mitspieler weitergespielt, der Ball muss beim Abspiel zwingend auf Kniehöhe gespielt werden und vor der Annahme mindestens zweimal aufsetzen - sonst Punktabzug.

So dümpelte das Spiel bis zur Pause vor sich hin. Und auch in Halbzeit 2 stellte sich nach halbherzigen Versuchen, den kurzen Pass wieder zu kultivieren das gleiche Bild ein. Es ging hin und her in hohem Bogen. Die Wahrscheinlichkeit, dass auf diese Weise ein Tor fällt, ist natürlich gering. Wer davon ausgeht, dass man Fußball spielt, um zu gewinnen, der wird die hier den Ball fortwährend wegschlagenden Personen als geistig nicht ganz auf der Höhe einordnen. Geht man aber davon aus, dass der Sinn des Spiels darin besteht, sich nicht zu blamieren und möglichst kein Gegentor zu bekommen, so erscheinen die hier geschilderten Handlungen auf dem Platz etwas verständlicher. Wieso sollte sich ein Kreisklassenfußballer mit Dingen abmühen, die er nicht beherrscht (Kombinationsspiel) um doch nur Fehler zu begehen, die zu Gegentoren führen könnten. Da besinnt man sich doch lieber auf das, was man kann - hoch und weit.

All mein Enthusiasmus war schon in leichte Resignation umgeschlagen. Das würde wohl nichts mehr werden mit dem Kantersieg. Mit einem hässlichen aber ergebnistechnisch okayem Unentschieden hatte ich mich innerlich schon angefreundet als ein weiterer hoher Ball des Gegners sich in unserer Hälfte senkte. Statt den Ball zu klären, verpassten sowohl Vorstopper als auch unser jugendlicher letzter Mann, die sich fatalerweise beide zum Ball orientierten, das Spielgerät und so idiotisch einem diese Spielweise erscheint, sie hatte dazu geführt, dass Mertel nun mit aller Zeit der Welt und dem Ball am Fuß auf unser Tor zu marschierte. Wie sollte es auch anders sein. Der Typ, dem ich jegliches fußballerisches Geschick abgesprochen hatte, netzte in Makaay-Manier abgeklärt ein. Erst nach dem Tor war in seinem Gesicht abzulesen, dass es sich für ihn dabei um einen erstaunlichen Stunt gehandelt haben musste. Egal, Tor ist Tor und damit auch die Entscheidung. Meine masochistische Ader ist leider nicht stark genug ausgeprägt, als dass ich hier den Hergang der verbleibenden 20 Spielminuten beschreiben könnte.

Abpfiff, Enttäuschung - was für eine Demütigung. Mal wieder. Da der Ausgang der Partie nach dem Gegentor absehbar war, fiel die Phase des Zerstörtseins nach dem Spiel relativ kurz aus. Diese 1-2 Minuten in der Kabine, in denen kaum jemand ein Wort spricht und alle mit sich selbst beschäftigt sind. Pietätlos wäre es, jetzt einfach draufloszuwitzeln, dass weiß selbst der größte Sozialparia. Es bedarf schon einer kurzen Ansprache des Trainers, um die Situation aufzulösen. Oder der Mann mit dem Bier betritt die Szenerie. Auf den war aber aufgrund des Auswärtsspiels nicht zu hoffen.

Nach dem Duschen trat ich aus dem muffigen Kabinentrakt nach draußen, wo weiterhin die Herbstsonne für angenehme Temperaturen sorgte - es hätte so ein guter Tag werden können. Auf dem Platz mühte sich jetzt die erste Mannschaft ab. Gegen die hatten wir in der Vorsaison vor der Ligareform noch selbst gespielt. Durch einen Zwangsaufstieg wurde die Mannschaft allerdings eine Klasse höher katapultiert. Da die unterste Spielklasse aufgelöst wurde und deren 2. Mannschaft (also unser heutiger Gegner) dadurch automatisch zu uns aufstieg, durfte auch die 1. Mannschaft eine Klasse höher antreten.

Anstatt knapp gegen die 1. Mannschaft zu verlieren wie in der Vorsaison, zogen wir nun gegen die Zweitvertretung den Kürzeren. Ein gutes Pferd, springt eben nie so hoch, wie es muss, man schrumpft an seinen Aufgaben oder wie das heißt. Nachdem die Enttäuschung verflogen war, kam die Zeit, Mertel seinen Triumph zu gönnen. Nicht, dass ich ein guter Verlierer wäre, aber irgendwie konnte ich ihm sein Tor nicht übelnehmen. Schließlich waren WIR hier an unserer Ideenlosigkeit gescheitert. Und sich nach dem Spiel in der Nähe des Siegtorschützen aufzuhalten, kann auch nicht schaden. Bei Wurst und Bier taten wir beide so, als würden wir uns schon lange gut kennen und unterhielten uns ein bisschen.

In der Septembersonne stehend auf das Kreisligaspiel starrend, hätte ich noch einige Zeit verharren können. Diese Vorstellung teilten anscheinend nicht viele der Ortsansässigen. Trotz bester Bedingungen und eines Sportplatzes, der im Herzen des 5.000-Einwohner-Städtchens lag, konnte man die Zuschauer an einer Hand abzählen. Es schien sich um eine verschworene Gemeinschaft zu handeln, die nicht um des Fußballs Willen dem Sportplatz einen Besuch abstattete, sondern weil man das einfach schon immer so machte. Die Geschehnisse auf dem Platz waren nur ein Randthema der Unterhaltungen abseits des Platzes.

So steht man da und beobachtet das Gras beim Wachsen. Und obwohl das Spiel wie eine Nebensache erscheint, gibt es den Takt vor. Nach Abpfiff löst sich die kleine Menschentraube innerhalb weniger Minuten auf. Die Herbstsonne stellt langsam aber sicher den Dienst ein, es wird kühler. Zeit sich wieder in den Mietwagen zu klemmen und die Stätte der Niederlage hinter sich zu lassen. War es das wert? Selbstverständlich.

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